Die Meerwasserentsalzungsanlage Essenguly, am Südufer des Kaspischen Meeres in der turkmenischen Provinz Balkan gelegen, zählt zu den technologisch fortschrittlichsten und strategisch bedeutendsten Wasserversorgungsprojekten der Region. Die Anlage, die täglich 20.000 m³ Trinkwasser liefert, versorgt die Siedlungen Essenguly und die Region Etrek mit Trinkwasser und deckt den Bedarf von Haushalten, Industrie und Landwirtschaft in einem Gebiet, das historisch von Wasserknappheit betroffen war.
Dieses ambitionierte Projekt wurde als schlüsselfertige Entwicklung unter der Leitung
der G5 Group AG realisiert. Die umfassende Planung, das Engineering und das technische Management übernahm die PWT Wasser- und Abwasser GmbH.
Die Bauarbeiten vor Ort wurden von Hossarlyk, einer Tochtergesellschaft von Turkmen Enjam, durchgeführt, wodurch eine nahtlose Integration globaler Technologien mit regionaler Expertise gewährleistet wurde.
Technischer Umfang und Konfiguration
Die Anlage in Essenguly verfügt über ein vollständiges Entsalzungssystem auf Basis fortschrittlicher Umkehrosmosetechnologie. Ihr technischer Leistungsumfang umfasst mehrere miteinander verbundene Prozessstufen, die internationale Standards für die Trinkwasseraufbereitung erfüllen.
Meerwasserentnahme und -vorbehandlung
Das Entnahmesystem gewährleistet die zuverlässige Entnahme und Stabilisierung von Rohmeerwasser von der Kaspischen Küste und besteht aus:
• Meerwasserpumpstation mit hoher Kapazität
• Meerwassersammeltank
• Mehrstufigen Vorbehandlungssystemen, darunter:
• Inline-Flockung
• Mehrschichtfiltration
• Feinfiltration
Diese Verfahren entfernen Sedimente, Schwebstoffe und organische Bestandteile und schaffen so optimale Bedingungen für die Umkehrosmosemembranen. Gleichzeitig werden Betriebsrisiken minimiert.
Umkehrosmose-Entsalzungsanlagen
Das Herzstück der Anlage bilden:
• 2 Vorbehandlungs-RO-Linien
• 4 Haupt-RO-Entsalzungslinien
Diese Mehrlinienarchitektur gewährleistet eine hohe Salzrückhalterate, Betriebssicherheit und eine stabile Süßwasserproduktion unter verschiedensten Umweltbedingungen.
Das so gewonnene Permeat erfüllt strenge Anforderungen an die Trinkwasserqualität und eignet sich für die kommunale Wasserversorgung, industrielle Anwendungen und die landwirtschaftliche Bewässerung.
Chemikaliendosierung und Wasserstabilisierung
Automatisierte Dosiersysteme unterstützen sowohl die Vor- als auch die Nachbehandlungsphase:
• Koagulations- und Antiscalants zum Schutz der Membranen
• pH-Wert-Anpassung und Remineralisierungssysteme
• Desinfektion zur Einhaltung der Trinkwasserhygienevorschriften
Dies gewährleistet eine gleichbleibende Wasserqualität und die langfristige Stabilität des Verteilungsnetzes.
Transport- und Speicherinfrastruktur
Nach der Aufbereitung wird das Trinkwasser über ein leistungsfähiges Transportsystem in der Region verteilt:
• 52 km lange GRE-Transportleitung (Epoxidharz), DN 600, PN 16 (Hersteller: AMIPOX, Saudi-Arabien)
• Zwei Trinkwasserspeicher mit je 10.000 m³ Fassungsvermögen
• Zwei unabhängige Trinkwasserpumpstationen für eine stabile Einspeisung in das regionale Verteilungsnetz
Diese Infrastruktur gewährleistet die Wasserversorgung über große Entfernungen auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen.
Elektrische Energiesysteme und Automatisierung
Die Anlage ist mit einer kompletten, auf hohe Zuverlässigkeit ausgelegten Elektro- und Automatisierungsanlage ausgestattet:
• Mittelspannungssysteme und Transformatoren
• Niederspannungs-Haupt- und Unterverteilungen
• Umfassende Prozessinstrumentierung
• SPS-Automatisierung: SIMATIC S7
• Zentrales Steuerungssystem: WinCC
Die Integration der Automatisierungstechnologien von Siemens gewährleistet präzise Überwachung, Betriebssteuerung und Fehlererkennung in allen Prozessstufen.
Projektabwicklungs- und Bauzeitplan
Der Zeitplan des Projekts spiegelt ein zehnjähriges Engagement für die Bereitstellung einer wichtigen Wasserversorgungslösung wider:
• Auftragsvergabe: 2014
• Bauleitung: PWT Wasser- und Abwasser GmbH, unterstützt von ihrer Niederlassung in Aschgabat
• Lokale Bauarbeiten: Hossarlyk (Turkmen Enjam)
• Projektverzögerungen aufgrund von:
• Weltweite COVID-19-Beschränkungen
• Mehrjähriger Baustopp aufgrund von Finanzierungsproblemen des Endkunden
• Finanzierung gesichert: 2024
• Mechanische Fertigstellung und Probebetrieb: Oktober 2025
• Offizielle Inbetriebnahme: Anfang November 2025
Das regionale Verteilungsnetz wird derzeit ausgebaut, und die Produktion der Anlage verbessert bereits die Wasserverfügbarkeit für Haushalte, Industrie und Landwirtschaft vor Ort.
Strategische Auswirkungen für die Region
Die Entsalzungsanlage Essenguly ist eine wichtige Infrastrukturanlage für Turkmenistan und gewährleistet:
• nachhaltigen Zugang zu sauberem Trinkwasser,
• erhöhte Wassersicherheit in abgelegenen Küstenregionen,
• zuverlässige Versorgung für Landwirtschaft und Industrie,
• geringere Umweltbelastung durch fortschrittliche, energieeffiziente Umkehrosmosetechnologie.
Dieses Projekt ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit internationaler Ingenieurskompetenz, moderner Wasseraufbereitungstechnologien und lokaler Umsetzungskompetenz.